Madagaskar

Verirren Sie sich eines Tages bei einer Wanderung auf dem Land der zentralen - also am weitesten vom Meer entfernten - Regionen dieses Fast-Kontinents und fragen Sie nach dem Weg. Sie werden unweigerlich eine Antwort wie "gehen Sie weiter nach Norden und wenn Sie an dem Ort ankommen, wenden Sie sich nach Westen..." erhalten. Eine so gute Orientierungsfähigkeit konnte nur von den fernen Seeleuten kommen, die einen Kompass im Kopf haben. Ihre Schiffe? Varianten dieser Pirogen mit eleganter, zierlicher Silhouette bringen heute die Fischer von Morondava oder Nosy Be ans Ufer. Andere Versionen finden sich noch immer in Sri Lanka oder im Tuamotu-Archipel. Das Auslegerboot soll sogar den Vorfahren der Maoris geholfen haben, Neuseeland zu erreichen! Ihre Routen reichten bis zu den weit entfernten ostafrikanischen Küsten mit Zwischenhalt für einige Seeleute und Endpunkt für andere in Madagaskar.

Die Insel wurde nach ihrer Ablösung von Gondwana, zu dem sie gehörte, die viertgrößte Insel der Welt mit ihren 592.000 km² Fläche und 5.000 km Küste. Im Osten, der so gut nach Gewürzen und tropischen Früchten duftet, machen die Strände am Rand einer üppigen tropischen Vegetation Lust, mit der Gischt zu spielen. Im Westen liegen die terrassenförmigen Hänge zu den ruhigeren Gewässern der Straße von Mosambik. Es ist das Land der großen Flüsse, ausgedehnten Savannen und der Baobabs. Der Norden allein ist mit seinen Gebirgen, seinen fruchtbaren Talkesseln, seinen Buchten und Inselchen am Ende der Welt ein kleines Modell der Insel. Der Süden, durch den der Wendekreis des Steinbocks weniger als 12 km von Tuléar entfernt verläuft, bietet seine riesigen Halbwüsten und seine ans Irreale grenzende Buschvegetation einer Sonne dar, die das ganze Jahr hindurch scheint. Im Zentrum, das von der Arbeit des Menschen und der Natur gekennzeichnet und ebenfalls eine geschichtsträchtige Gegend ist, wechseln sich Landschaften und teilweise durch Erosion tief eingeschnittene Reliefs ab. Doch dieser Erosion gelingt es bisweilen, sich als Künstler zu betätigen und Wunder zu schaffen, die in der ganzen Welt bekannt sind! So etwa die Tsingy, wahre Kalksteinwälder mit scharfen Spitzen, oder die Steinblöcke von Isalo, in denen die Fantasie einen Stiefel, ein Fenster, einen Löwen, der über sein Revier wacht oder sogar eine echte Königin erkennt, der weder Mantel noch Krone fehlen…

Durch seinen langen geologischen Werdegang und seinen Inselstatus konnte Madagaskar wie in einem vor Schädlingen geschützten Labor eine außergewöhnliche Biodiversität entwickeln, die den Rekord mit schätzungsweise 80 % endemischer Fauna und 90 % endemischer Flora hält. Leider wirkt der Mensch nur allzu häufig zerstörerisch. Der riesige rötliche Fleck, der sich vom Blau des Ozeans abhebt und den der faszinierte und neugierige Passagier durch sein Bullauge oberhalb von Majunga betrachtet, ist nichts anderes als das Blut der Erde, das durch eine sehr lange Kultur der Brandrodung und Entwaldung hervorgeht und bis zu seiner Mündung durch den Fluss Betsiboka transportiert wird. Heute hat Madagaskar beschlossen, die Fläche seiner Schutzgebiete zu verdreifachen. Abgesehen davon, dass es sich um Genpools der Fauna und Flora handelt, spielen sie eine andere, vielleicht weniger bekannte, aber ebenso wichtige Rolle wie die Wassertürme, Klimaregulatoren, Schutzschilde gegen die Versandung. Oder auch die Rolle durch den Öko-Tourismus und Konzepte wie Tourismus auf gemeinschaftlicher Basis als lokales oder sogar regionales Entwicklungszentrum.

Der naturnahe Tourismus macht heute über 50 % des Weltmarkts aus und weist ein schnelleres Wachstum als der Badeurlaub auf. Madagaskar hat in beiden Bereichen gute Trümpfe mit dem Paar "Meer - Entdeckung", das sie von vielen anderen Reisezielen unterscheidet. Kommandant Cousteau hatte zwei ganz persönliche Ausdrücke, um die Große Insel zu beschreiben: Die erste - Heimat des Vogel Roch - bezog sich auf den mythischen Vogel aus Tausendundeiner Nacht, die er dem Elefantenvogel gleichsetzte, von denen man noch immer riesige, intakte Eier im sandigen Süden von Madagaskar findet. Die zweite - Insel der Geister - bezog sich auf eine eher rätselhafte Kultur, in der die Autorität der Vorfahren allgegenwärtig ist. Wenn man "Madagasikara" von rechts nach links im Sinne einer Rückkehr zu den Quellen liest, bedeutet es bis auf einen Buchstaben genau: "den Spuren Adams folgend..."

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